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Als das Debutalbum von Ich + Ich im April 2005 erschien, konnte die versammelte Presselandschaft nur staunen.
Formuliert wurden Überschriften wie "Keine Generationsfrage" und "ungleiches Paar" (Focus), "Generationenvertrag" (Brigitte), "Clash der Generationen" (Musikwoche) oder auch "Melancholie und Nachdenklichkeit" (Der Tagesspiegel). So etwas hatte man im Pop-Kosmos ganz offensichtlich noch nicht erlebt. Einerseits die New-Wave-Ikone und Ideal-Frontfrau Annette Humpe (Jahrgang 1950), die Anfang der Neunziger nach ihrer Soloplatte ganz bewusst von der Bühne abgetreten war. Andererseits der R'n'B-Sänger und HipHop-Afficinado Adel Tawil (Jahrgang 1979).
Hier die erfolgreichste Produzentin der Republik, dort das damals nur Insidern bekannte Soultalent. "Es ist ein Anblick, bei dem einiges nicht so recht zusammenpassen will", beschrieb eine Berliner Journalistin ihre Befindlichkeiten beim Treffen mit Ich + Ich im Kaffeehaus. "Vielleicht machen gerade diese Gegensätze die künstlerische Anziehung zwischen den beiden aus."
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Konnte das gut gehen, schwang da zwischen den Zeilen mit. Konnte dieses Team interessante Musik machen? Es konnte. Sicherlich keine Konsens-Nummern, sondern Slow- bis Midtempo-Stücke voller Hoffnung und Wehmut. Die Formel der Soulmusik, in dem das Wechselspiel des Lebens zwischen "Joy and Pain" besungen wird, stand Pate. Wobei Ich + Ich nicht an musikwissenschaftlicher Stilpflege interessiert sind, sondern eher instinktiv an die Sache herangehen. Schließlich sagt Text- und Songschreiberin Annette Humpe von sich: "Ich bin weiß wie Brot, dennoch arbeite ich in die gleiche Richtung. Dabei geht es immer darum, die Klippen des musikalischen Kitsches zu umschiffen. In meiner Musik sind Gefühle ein zentrales Anliegen. Doch nachdem in den letzten Jahren alle angefangen haben explizit über die Liebe zu singen, wollte ich etwas anderes machen."
Ich + Ich begannen vor rund fünf Jahren als Studioprojekt, das seit damals stetig gewachsen ist. Eine Zusammenarbeit mit richtungsweisendem Charakter. "Im Download-Zeitalter hat man halt einen ständigen Zugriff auf alle Bands der letzten Jahrzehnte", beschreibt der Sänger Adel Tawil den Kosmos heutiger Popfans. "Neulich habe ich zum ersten Mal die Achtziger-Jahre-Band Flash & The Pan gehört. Kannte ich vorher nicht. Es war eine dieser komischen Entdeckungen, die man früher in gut sortierten Plattenläden gemacht hätte. Durch das Internet besteht nun eine Situation der Verfügbarkeit, die sicher dazu beitragen wird, dass viele Kids heute generationsübergreifend Musik hören und auch konsumieren."
Die Musik von Ich + Ich trifft den Nerv der Zeit. Ungewohnt gesellschaftlich-politische Töne von einer der außergewöhnlichsten "Bands" in der deutschen Musiklandschaft. Und Adel Tawil resümiert: "Von den Texten her ist die neue Platte sicherlich um einiges härter."
Ich + Ich sind bereit für die nächste Runde. 13 neue Songs unter dem programmatischen Titel "Vom selben Stern". Dabei beeindruckt Adel Tawil durch den variablen Einsatz seiner Stimme und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Gesanges. Nicht umsonst wurden sie mittlerweile fünfmal für den Echo nominiert. Das aktuelle Album "Vom selben Stern" hält sich ungebremst seit 47 Wochen in den deutschen Top 10 und erreichte bislang Dreifach-Platin, in Österreich erhielt das Album Platin. Die Singles "Vom selben Stern" und "Stark" erreichten seit Veröffentlichung Platin und Gold. Auch die jüngste Neuerscheinung "So soll es bleiben" stieg prompt von 0 auf 3 in die Charts ein und spielte bislang Gold ein.
Die "Vom selben Stern Tour" im Frühjahr 2008 spiegelt diesen Erfolg wieder. Trotz Verlegung in größere Hallen waren bereits vor Tourstart alle Konzerte von Adel Tawil und seiner Band restlos ausverkauft. Live sorgten sie mit "Vom selben Stern", "Du erinnerst mich an Liebe" oder "Dienen" für ergreifende Bühnenmomente.
Ich + Ich standen der eigenen Sache anfangs mit gesunder Skepsis gegenüber. Sie wollten sich an den Reaktionen des Publikums messen lassen. "Der Entschluss weiter zu machen, kam nicht von Donnerstag auf Freitag", sagt Annette Humpe. "Das war ein Prozess. Doch irgendwann waren wir uns sicher, dass unsere Songs bei den Leuten etwas ausgelöst haben."
Es ist eine Mischung aus Neustart und Kontinuität, mit der Ich + Ich ihre Zusammenarbeit fortführen. Adel Tawil macht mit "Vom selben Stern" einen großen Schritt nach vorne. Als Sänger. Als Performer. Und als eigenständiger Künstler, der im hauseigenen Trackworks-Studio auch weiterhin als Produzent arbeitet. Annette Humpe wiederum, die die Bühnenshow noch nie geschätzt hat, wird sich aus dem Rampenlicht eher fern halten und generell als Texterin im Hintergrund wirken. Die komplexe Balance bei Ich + Ich wurde neu austariert. Es geht um das Wesentliche oder wie es in der Single-Auskopplung "Vom selben Stern" fast schon programmatisch heißt: "Wir sind vom selben Stern, ich kann deinen Herzschlag hör'n (...) Du bist vom selben Stern; wie ich (...) Weil dich die gleiche Stimme lenkt, und du am gleichen Faden hängst."
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